top of page

ONE SIP AT A TIME

Fakten, die Du über Wasser
garantiert noch nicht weißt

Zu Besuch bei Jan Vokurka und Kitl s.r.o. in der Tschechischen Republik 🇨🇿

Vor einigen Wochen durfte ich Jan Vokurka im tschechischen Liberec nahe der deutsch-polnischen Grenze besuchen. Jan und mich verbindet nicht nur eine Freundschaft, sondern auch das Interesse am Thema Wasser. Er ist wie ich zertifizierter Wassersommelier. Hauptberuflich ist er jedoch Inhaber der Firma Kitl, mit der er selbst hergestellte Sirupe vertreibt. Zum Unternehmen gehört auch die Mineralwassermarke Vratislavická Kyselka. Einigen vielleicht noch als Maffersdorfer Sauerbrunn bekannt.

Postkarte vom Maffersdorfer Sauerbrunn
Quelle: www.kitl.de

Ich habe Jan nicht nur der Freundschaft wegen besucht, sondern auch, um mir die unglaubliche Geschichte dieses Brunnens noch einmal vor Ort erzählen zu lassen. Denn was früher eine Ruine war, ist heute ein moderner Betrieb. Aber gehen wir erst einmal einen großen Schritt zurück, ins 19. Jahrhundert.


1862 suchte Karl Skollaude einen Pumpbrunnen für seine Textilblechfabrik. Ganz in der Nähe wurde er schnell fündig. Das Wasser schmeckte jedoch merkwürdig. Man schrieb es dem neuen Pumprohr oder dem Schießpulver zu. Da sich der Geschmack auch nach längerer Zeit nicht änderte, nutzte man das Wasser für seinen ursprünglichen Zweck. In der Textilblechfabrik.

Maffersdorfer Sauerbrunn aus 1902
Quelle: www.maffersdorf.de

Als Skollaude drei Jahre später von seiner Mutter darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Wasser ähnlich wie in Bad Liebwerda schmeckte, ließ er es untersuchen. Die chemische Analyse ergab, dass es sich um ein alkalisches Wasser mit hohem Eisengehalt handelte. Daraufhin ließ der Besitzer den Brunnen sauber einfassen und errichtete ein kleines Badehaus. Außerdem begann man, das Wasser in Flaschen abzufüllen.


Später wechselte das Bad den Besitzer. Unter anderem wurde Anton Porsche - der Vater von Ferdinand Porsche, dem Gründer des gleichnamigen Sportwagenherstellers - haftender Gesellschafter. Trotz aller Erfolge warf der Erste Weltkrieg das Unternehmen zurück. Auch der gelungene Wiederaufbau währte nur kurz, denn der Zweite Weltkrieg beendete diesen.

Jan Vorkurka, Geschäftsführer der Kitl s.r.o. 2018

Im August 2018 hat Jan die „goldene" Ruine, wie ich sie nenne, übernommen. Er erinnert sich noch gut an seine Kindheit, als er mit der Straßenbahn an dem Brunnen vorbeifuhr und mit seiner Tante Wasser aus dem Sauerbrunnen trank. Das Gelände und die Gebäude, die für ihn ein magischer Ort sind, waren über die Jahrzehnte vernachlässigt worden und in einem sehr schlechten Zustand. Zunächst dauerte es rund vier Monate, bis die alte Produktionshalle von ihren „Altlasten“ befreit war. Erst danach konnte mit der Restaurierung begonnen werden.


Seit Juli 2022 wird das eisenhaltige Mineralwasser (bei Quellaustritt ca. 15 mg pro Liter) wieder abgefüllt. Da Eisen jedoch in Verbindung mit Sauerstoff oxidiert und das Wasser verfärbt, wird es vor der Abfüllung herausgefiltert. Ich durfte das Wasser vor der Filterung allerdings verkosten und mit dem finalen Produkt vergleichen. Sehr interessant das Eisen im Wasser rauszuschmecken.


Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch um sich von der Konkurrenz auf dem tschechischen Getränkemarkt abzuheben, füllt Jan sein Wasser in Glasflaschen ab. Der hohe Eisengehalt ist übrigens nicht die einzige Besonderheit des Mineralwassers. Es enthält auch natürliche Kohlensäure. An der Quelle sind es ganze 12.000 mg pro Liter (im Vergleich: Gerolsteiner Sprudel hat 7.000 mg pro Liter). Im Gegensatz zu Mineralwässern mit zugesetzter Kohlensäure bleibt diese auch noch Stunden nach dem Öffnen der Flasche im Wasser. Als Wassersommelier behaupte ich sogar, dass man den Unterschied zwischen natürlicher und zugesetzter Kohlensäure sensorisch Wahrnehmen kann.

Ein Blick auf das Etikett verrät zudem, dass es sich um ein natrium-, kalzium- und hydrogenkarbonatreiches Wasser handelt. Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass Vratislavická Kyselka sehr gut zu trockenen oder halbtrockenen Weißweinen passt. Mit einem Siliziumgehalt von 102 mg pro Liter ist es auch ein hervorragendes Beautywasser. Denn Kieselsäure ist ja bekanntlich gut für Haut, Haare und Nägel 😉 . Insgesamt verfügt das Mineralwasser über 1.340 mg pro Liter.


Jan Vokurka, Maffendorfer Sauerbrunn Vratislavicka Kyselka Mineralwasser

Angetrieben von der Vision eines nachhaltigen Unternehmens hat er auch damit begonnen, ein Pfandsystem für seine Glasflaschen einzuführen. Was in Deutschland bereits seit 2006 selbstverständlich ist, ist in Tschechien - zumindest für Mineralwasser - noch eine Seltenheit. Dafür musste Jan viel Geld in die Hand nehmen und in eine vollautomatische Flaschenreinigungsanlage investieren. Aber er ist überzeugt, dass dies der richtige Schritt für die Marke Vratislavická Kyselka ist und die Entscheidung den Erfolg des Mineralbrunnens weiter beflügeln wird.

Jan möchte auch Transparenz schaffen, indem er seinen Gästen live zeigt, wie das Wasser mit welcher Temperatur im Betrieb ankommt, wie viel Wasser sich gerade in den Tanks befindet, etc. Alle Daten sind über einen Monitor abrufbar.


Als Nächstes will er die Marke Vratislavická Kyselka wieder nach Deutschland bringen und das alte Badehaus restaurieren. Es soll künftig als Bürogebäude für ihn und seine Mitarbeiter dienen. Bei seiner Leidenschaft, Energie und seinem unermüdlichen Tatendrang habe ich keinen Zweifel, dass er das schaffen wird.


Vielen Dank, Jan, für deine Gastfreundschaft und die Führung durch deinen Betrieb.

Timo Bausch und Jan Vorkurs, zwei Wassersommeliers

Viele Grüße

Timo Bausch

Zertifizierter Wassersommelier


Quelle:



 

Über Timo Bausch

Meine Faszination für Mineralwässer begann im Jahr 2016 während der Ausbildung zum Wassersommelier. Seitdem beschäftige ich mich mit den Besonderheiten und der Vielfalt von Wässern. Neben dem Pairing von Wasser mit Speisen, Wein, Kaffee und anderen Getränken biete ich Wasserkarten für Restaurants und Hotels. Zudem liegt es mir am Herzen, auf die Wichtigkeit des Wassertrinkens aufmerksam zu machen.

Comentarios


bottom of page