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ONE SIP AT A TIME

Fakten, die Du über Wasser
garantiert noch nicht weißt

Achtung: Warum Leitungswasser für dein Baby gefährlich sein kann! 👶🏻

In diesem Blogbeitrag geht es um ein Thema, das vor allem frischgebackene Eltern interessieren dürfte: Welches Wasser soll ich für die Zubereitung von Babynahrung verwenden? Und kann Leitungswasser bedenkenlos verwendet werden?


Baby trinkt Milch aus der Flasche

Du bist gerade Vater oder Mutter geworden und willst nur das Beste für dein Baby?

Mir geht es genauso. Seit Anfang des Jahres bin ich stolzer Papa meines Sohnes Kiyan und achte sehr genau darauf, was er zu trinken bekommt.


Denn Babys sind zarte Geschöpfe und müssen sich gerade nach der Geburt noch an Muttermilch oder Milchersatzprodukte gewöhnen. Als zertifizierter Wassersommelier weiß ich, wie wichtig die Wasserqualität bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung ist.


Dazu vergleichen wir Leitungswasser und Mineralwasser hinsichtlich der Wasseraufbereitung und Mineralisierung.


1. Wasseraufbereitung

1.1 Was ist bei der Aufbereitung und Desinfektion von Mineralwasser erlaubt?

Dazu werfen wir einen Blick in die Mineral- und Tafelwasserverordnung. In §6 ist das Herstellungsverfahren geregelt. Dort heißt es, dass


  • nur unbeständige Inhaltsstoffe, wie Eisen- und Schwefelverbindungen durch Filtration oder Dekantation entfernt werden dürfen.

  • Eisen-, Mangan- und Schwefelverbindungen sowie Arsen durch mit Ozon angereicherte Luft entfernt werden dürfen (allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen) sowie

  • Kohlensäure entzogen oder zugesetzt werden darf.


Mehr ist tatsächlich nicht erlaubt! 🚫


1.2 Was ist bei der Aufbereitung und Desinfektion von Leitungswasser erlaubt?

Hierzu verweist die Trinkwasserverordnung auf die Bekanntmachung des Umweltbundesamtes.

Auf Seite 9 des Dokuments beginnt die Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe. Auf elf Seiten werden Stoffe wie Ethanol, Helium, Ozon oder Phosphorsäure aufgelistet. Insgesamt 60 Chemikalien‼️ Hinzu kommen Aufbereitungsstoffe und -verfahren, die zur Desinfektion des Wassers eingesetzt werden dürfen. Hier sind zum Beispiel Behandlungen mit UV, Ozon oder Chlorgaslösungen aufgelistet.


Wie Du siehst, gibt es zwischen Mineralwasser und Leitungswasser deutliche Unterschiede. Wer sagt, dass Leitungswasser das am besten kontrollierte Lebensmittel ist, der weiß jetzt auch warum 😉


2. Mineralstoffe

Warum ist es wichtig, auf die Mineralien zu achten?

Ganz einfach. Einige von ihnen können in großen Mengen schädlich für Babys sein. Außerdem können Säuglinge viele Mineralstoffe noch nicht verwerten, was zum Beispiel zu Durchfall führen kann 💩


2.1 Wann darf ein Mineralwasser als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ bezeichnet werden?

Die Mineral- und Tafelwasserverordnung legt in § 15 hierfür klare Grenzwerte fest (siehe unter 2.2), die eingehalten werden müssen. Nur wenn keiner der Stoffe die Grenzwerte überschreitet, darf ein Mineralwasser den Hinweis "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" tragen.


2.2 Welche Grenzwerte gelten für Leitungswasser?

Während die Mineral- und Tafelwasserverordnung klare Grenzwerte für bestimmte Mineralstoffe festlegt, ist die Trinkwasserverordnung allgemein gehalten und gilt daher für Erwachsene und Säuglinge gleichermaßen.


Die folgende Tabelle zeigt den Untschied zwischen den Grenzwerten für Mineralwasser und Leitungswasser:

Übersicht Grenzwerte Mineralien bei Mineralwasser und Leitungswasser

Beim Vergleich der Grenzwerte beider Arten zeigt sich zum Beispiel bei Nitrat ein großer Unterschied. Nitrat ist eine Verbindung, die über Düngemittel aus der Landwirtschaft oder über das Abwasser ins Trinkwasser gelangen kann. Bei Säuglingen kann Nitrat zu Methämoglobinämie führen, einer schweren Erkrankung, die die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen kann. Während für Mineral- und Tafelwasser ein Grenzwert von 10 mg pro Liter gilt, darf Leitungswasser 50 mg pro Liter enthalten. Der Wert für Leitungswasser ist also fünfmal höher als für Mineralwasser.


Ein anderes Beispiel ist Natrium. Zusammen mit Chlorid ist es nichts anderes als Kochsalz. Zu viel davon kann bei Säuglingen im schlimmsten Fall zu einer Salzvergiftung führen. Während für Leitungswasser ein Grenzwert von 200 mg pro Liter gilt, sind für Baby-Mineralwasser nur 20 mg pro Liter erlaubt. Hier also sogar das Zehnfache!


Doch warum gibt es so große Unterschiede? Darüber lässt sich nur spekulieren 🤷‍♂️


3. Bin ich betroffen?

Das kann man leider nicht pauschal sagen. Dazu müsstest Du auf die Seite deines Wasserversorgers gehen und dort die Analysewerte einsehen.


Verteilung der Nitratkonzentration im EUA-Grundwassermessnetz 2021

Fakt ist, dass in Deutschland an etwa 16 Prozent der Messstellen für Leitungswasser der Grenzwert für Nitrat - also die 50 mg - überschritten wird. Würde man den Wert auf 10 mg pro Liter herabsetzen, würden nicht einmal mehr 50 Prozent der Messstellen diesen Wert einhalten.

Mit anderen Worten: Das Leitungswasser in halb Deutschland ist für die Zubereitung von Babynahrung nicht geeignet‼️ (Quelle: Umweltbundesamt)


Hier ein Beispiel der Fernwasserversorgung Franken. In diesem Gebiet liegt der Nitratgehalt immer über 10 mg pro Liter. Wollte man diese Wässer als Mineralwasser abfüllen, würde keines die Freigabe „für Säuglingsnahrung geeignet“ erhalten. Auch beim Natrium gibt es Ausreißer mit über 20 mg pro Liter.


4. Meine Empfehlung

Wenn Du weiterhin Leitungswasser für dein Baby verwenden möchtest, überprüfe vorher genau, wie es um die Wasserqualität in deiner Region bestellt ist. Achte nicht nur auf den Nitrat- und Natriumgehalt, sondern auch auf Dinge wie Medikamentenrückstände, Pestizide, Qualität der Wasserleitungen etc. Auf jeden Fall solltest Du das Leitungswasser abkochen, bevor Du es verwendest ♨️


Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, empfehle ich Dir, auf entsprechendes Mineralwasser zurückzugreifen. Achte dabei auf den Zusatz „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“. Diesen findest Du in den meisten Fällen auf dem Flaschenetikett.


Ich habe Dir sechs Beispiele aufgelistet:



Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel deine Fragen zu diesem Thema beantwortet habe. Solltest Du dennoch Fragen haben, kannst Du mir gerne eine E-Mail an hello@sommcademy.com schicken oder dieses Formular ausfüllen.


Viele Grüße

Timo Bausch

Zertifizierter Wassersommelier


Und nicht vergessen: Drink water, #stayhydrated


 

Über Timo Bausch

Meine Faszination für Mineralwässer begann im Jahr 2016 während der Ausbildung zum Wassersommelier. Seitdem beschäftige ich mich mit den Besonderheiten und der Vielfalt von Wässern. Neben dem Pairing von Wasser mit Speisen, Wein, Kaffee und anderen Getränken biete ich Wasserkarten für Restaurants und Hotels. Zudem liegt es mir am Herzen, auf die Wichtigkeit des Wassertrinkens aufmerksam zu machen.



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