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Leitungswasser im Hotel – nachhaltige Lösung oder hygienisches Risiko?

  • Jan 4
  • 3 min read

Updated: May 8

In Hotels, Restaurants und Bars erlebt Leitungswasser derzeit ein Comeback. Unter Schlagworten wie Nachhaltigkeit, CO₂-Reduktion und Kostenersparnis preisen viele Betriebe und zunehmend auch Influencer in den sozialen Medien aufbereitetes Leitungswasser als gleichwertige und günstigere Alternative zu Mineralwasser an. Moderne Filtersysteme wie Purezza, BWT oder Brita versprechen beste Wasserqualität direkt aus dem Hahn. Doch wie sieht es tatsächlich mit Hygiene, Wartung und Verantwortung aus?


Vor allem in gehobenen Hotels ist aufbereitetes Leitungswasser immer öfter zu finden. An Frühstücksbuffets stehen Karaffen mit stillem oder sprudelndem Wasser und an Bars wird „hausgefiltertes Wasser“ verkauft. Oft zu Preisen, die kaum unter denen von klassischem Flaschenwasser liegen.


Für den Hotelbetrieb sind die Vorteile offensichtlich:

- geringere Logistikkosten

- kein Flaschenpfand, kein Lager

- positiver Nachhaltigkeitsfaktor für das Marketing

- deutlich höhere Margen


Gleichzeitig wird den Gästen vermittelt, dass sie gleichwertige Qualität erhalten, manchmal sogar „besser als Mineralwasser“.


Die Qualität beginnt jedoch nicht im Filter, sondern bei der Wartung. Technisch betrachtet können hochwertige Filtersysteme tatsächlich gutes Wasser liefern. Aktivkohle-, Membran- oder Umkehrosmosefilter reduzieren Geruch, Geschmack und bestimmte Rückstände.


Was jedoch häufig nicht erwähnt wird, ist der hygienische Zustand der gesamten Ausgabekette:

- Filterkartuschen

- Leitungen im Gerät

- Zapfhähne und

- insbesondere Karaffen, Flaschen und Deckel


Fremdkörper im Deckel

Fremdkörper im Flaschendeckel

Ein persönliches Beispiel zeigt, wo die Schwachstelle liegt: In einem 4-Sterne-Superior-Hotel in Hamburg wurde am Frühstücksbuffet ausschließlich aufbereitetes Leitungswasser über ein Purezza-System angeboten. Erst ein genauer Blick auf das Innere des Flaschendeckels offenbarte mehrere sichtbare Fremdkörper.


Ein Detail, das vielen Gästen entgeht und das nichts mit der Wasserqualität aus der Leitung, sondern mit Reinigung und Kontrolle zu tun hat. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ich solch einem Anblick begegnet bin.


Ist Leitungswasser automatisch hygienischer?

In Deutschland und vielen europäischen Ländern hat Leitungswasser eine sehr hohe Ausgangsqualität.


Dennoch gilt:

- Leitungswasser ist kein steriles Produkt

- Filtersysteme können bei mangelnder Wartung zu Keimquellen werden

- Stehendes Wasser in Karaffen kann die Bildung von Biofilm begünstigen


Mineralwasser unterliegt dagegen:

- industriellen Abfüllstandards

- versiegelten Lieferketten

- klarer Rückverfolgbarkeit


Das macht es insbesondere in der Gastronomie sicherer.


Fazit

Gefiltertes Leitungswasser im Hotel kann eine sinnvolle und nachhaltige Lösung sein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

- dokumentierte Wartungsintervalle

- regelmäßige Hygieneschulungen des Personals

- konsequente Reinigung von Karaffen und Deckeln

- transparente Kommunikation gegenüber dem Gast


Ohne diese Maßnahmen ist Leitungswasser nicht automatisch hygienischer als Mineralwasser.

Im Gegenteil: Es kann zum blinden Fleck im Qualitätsmanagement werden.


Nachhaltigkeit endet nicht beim Verzicht auf Plastik- oder Glasflaschen. Sie beginnt bei Sorgfalt, Kontrolle und Verantwortung. Besonders dort, wo Wasser als Lebensmittel ausgegeben oder verkauft wird.


Ich bin zudem der Meinung, dass den Gästen aufbereitetes Leitungswasser deutlich günstiger angeboten werden sollte als Mineralwasser und die Systeme nicht als Profiterzeugnis eingesetzt werden sollten.


Achtung: Das Thema „Geschmack“ habe ich hier gar nicht angesprochen. In diesem Punkt gewinnt aus meiner Sicht ganz klar das Mineralwasser.


In diesem Sinne: Drink water, #stayhydrated


Beste Grüße

Timo Bausch

Zertifizierter Wassersommelier


 

Über die SOMMCADEMY

Wasser ist mehr als nur ein Grundbedürfnis. Es steht für Geschmack, Gesundheit und Erlebnis. Genau hier entsteht ein neues Bewusstsein: Achtsam trinken, Unterschiede erkennen und Qualität wirklich verstehen. Als zertifizierter Wassersommelier habe ich die SOMMCADEMY gegründet, um die Vielfalt und die Besonderheiten von Mineralwasser mit der Welt zu teilen. Mit der SOMMCADEMY kannst Du Wasser auf eine völlig neue Art kennenlernen: Als sensorisches Erlebnis und Wissensmoment, der deine Veranstaltung zu etwas Besonderem macht / Timo Bausch Gründer der SOMMCADEMY


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