Das beste Wasser für V60 Kaffee: Zwei natürliche Mineralwässer im Vergleich - Antipodes 🇳🇿 vs. Lauretana 🇮🇹
- vor 19 Stunden
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Ein guter Cappuccino gehört seit vielen Jahren zu meinem Alltag. Am liebsten genieße ich ihn direkt beim Kaffeeröster: frisch zubereitet mit hochwertigen Bohnen und perfekt aufgeschäumter Milch. Für mich war Kaffee schon immer mehr als nur Koffein. Es geht um Aroma, Handwerk und das gesamte Geschmackserlebnis.
Als Wassersommelier hat mich jedoch schon vor Jahren eine andere Frage beschäftigt: Welchen Einfluss hat das Wasser auf den Geschmack von Kaffee? Schließlich besteht eine Tasse Kaffee zu mehr als 98 Prozent aus Wasser. Und trotzdem liegt der Fokus meist ausschließlich auf der Bohne.
Seit meinem Umzug nach Dubai hat sich meine Leidenschaft für Kaffee weiterentwickelt. Neben Cappuccino bin ich zu einem großen Fan von V60-Filterkaffee geworden.
Die Zubereitung mit dem Handfilter fasziniert mich, weil sie jede kleine Veränderung sichtbar, und vor allem schmeckbar macht. Mahlgrad, Brühtemperatur, Brühzeit und natürlich die Qualität der Bohnen spielen eine wichtige Rolle.
Doch ein Faktor wird häufig unterschätzt: das Wasser.
Deshalb habe ich mir inzwischen mein eigenes V60-Equipment zugelegt und beschlossen, ein Experiment durchzuführen.
Das Experiment
Für den Test habe ich bewusst alle Parameter konstant gehalten:
dieselben 100% Arabica-Bohnen
identischer Mahlgrad
gleiche Kaffeemenge
gleiche Wassertemperatur
gleiche Brühtechnik
Nur eine Variable wurde verändert: Das Wasser.
Für die Zubereitung des Kaffees habe ich zwei verschiedene natürliche Mineralwässer verwendet. Antipodes aus Neuseeland und Lauretana aus Italien.

Warum Mineralwasser?
Jedes natürliche Mineralwasser verfügt über eine einzigartige Mineralisierung. Calcium, Magnesium, Hydrogencarbonat und viele weitere Mineralstoffe beeinflussen die Extraktion der Aromen aus dem Kaffee.
Schon kleine Unterschiede im Wasser können darüber entscheiden, ob ein Kaffee fruchtig, süß und ausgewogen oder eher flach, bitter oder unausgewogen schmeckt. Daher nutzen zahlreiche Experten der Kaffeebranche eigens auf die Zubereitung abgestimmtes Wasser, da Wasser kein neutraler Bestandteil ist, sondern maßgeblich den Geschmack beeinflusst.
Antipodes vs. Lauretana

Antipodes
Antipodes ist ein artesisches Wasser aus Neuseeland. Es wird aus einem der tiefsten Wasservorkommen des Landes in einer Tiefe von 327 Metern gewonnen und zeichnet sich durch einen geringen Mineralgehalt von 130 Milligramm pro Liter aus. Der einzigartige Geschmack von Antipodes resultiert aus einem hohen Siliziumgehalt von 78 mg pro Liter. Antipodes ist seit 2007 CO2-neutral zertifiziert und hinterlässt, egal wo auf der Welt, keinen CO2-Fußabdruck.

Lauretana
Lauretana entspringt im 4.600 Meter hohen Monte-Rosa-Massiv aus einer artesischen Quelle in 1.050 Metern Höhe. „Artesisch” bedeutet, dass das Wasser ohne mechanischen Druck an die Erdoberfläche gelangt. Mit einer Gesamtmineralisierung (TDS) von lediglich 14 mg pro Liter zählt Lauretana zu den mineralärmsten Mineralwässern der Welt und bezeichnet sich selbst als „das leichteste Wasser Europas“.

Das Ergebnis
Die Zubereitung habe ich unter folgenden Parametern vorgenommen:
Kaffee: 15g
Bohne: Arabica
Malgrad: Medium-Fein
Wasser: 250g
Wassertemperatur: 200°F bzw. 93°C
Bloom: 45g Wasser und 45 Sekunden
2. Schritt: auf 150g
3. Schritt: auf 250g
Gesamtbrühzeit: 3:15 Minuten
Direkt nach der Zubereitung dachte ich, dass die Unterschiede vorhanden, aber nicht besonders groß sind. Ich ließ beide Kaffees auf Zimmertemperatur abkühlen und probierte sie erneut. Schluck für Schluck und immer im direkten Wechsel.
Und genau hier wurde es spannend. Die Unterschiede waren deutlich größer als erwartet.
Der mit Antipodes gebrühte Kaffee zeigte ein intensiveres, dunkleres Aromaprofil. Bereits beim ersten Schluck fielen die kräftigen Schokoladennoten auf, begleitet von einer angenehmen Bitterkeit und einer leichten Süße. Obwohl der Geschmack vergleichsweise kurz anhielt, wirkte der Kaffee insgesamt deutlich intensiver. Besonders auffällig war das Mundgefühl: Der Kaffee wirkte weicher, runder und voller, beinahe cremig. Vermutlich trägt der vergleichsweise hohe Siliziumanteil des Wassers zu dieser geschmeidigen Textur bei.
Mit Lauretana entstand ein völlig anderer Kaffee. Die Röstaromen wirkten deutlich leichter und weniger dominant. Anstelle von intensiver Schokolade traten eher nussige, holzige und fruchtige Noten in den Vordergrund. Im Abgang zeigte sich eine feine Säure mit einer leicht würzigen Note im Rachen. Auch das Mundgefühl unterschied sich deutlich. Der Kaffee wirkte leichter, dünner und fast schon wässrig, wodurch die einzelnen Aromen transparenter erschienen.

Fazit
Obwohl derselbe Kaffee, dieselbe Mühle und dieselbe Brühmethode verwendet wurden, entstanden zwei völlig unterschiedliche Geschmackserlebnisse. Antipodes brachte einen Kaffee hervor, der schokoladig, intensiv, weich und rund wirkte, mit einem volleren Mundgefühl. Lauretana hingegen betonte nussige, holzige und fruchtige Aromen und erzeugte einen deutlich leichteren, filigraneren Kaffee.
Kurz zusammengefasst:
Antipodes: schokoladig, kräftig, rund, weich und vollmundig.
Lauretana: nussig, fruchtig, leicht, klar und filigran.
Dieser erste Versuch zeigt eindrucksvoll, dass Wasser weit mehr ist als nur ein Beiprodukt. Die Wahl des natürlichen Mineralwassers kann den Charakter eines Kaffees grundlegend verändern, selbst wenn alle anderen Parameter identisch bleiben.
Bereits vor einigen Jahren habe ich dieses Thema gemeinsam mit einem Kaffeeröster untersucht. Damals haben wir unterschiedliche Kaffees mit verschiedenen natürlichen Mineralwässern aufgebrüht, um den Einfluss des Wassers auf die Extraktion und das Aromaprofil zu analysieren. Darüber hinaus servierten wir zu identischen Kaffees unterschiedliche Mineralwässer, um zu zeigen, wie stark Wasser auch die Wahrnehmung des bereits zubereiteten Kaffees beeinflussen kann.
Schon damals wurde deutlich: Nicht nur die Bohne, sondern auch das Wasser entscheidet über den Geschmack: Sowohl in der Zubereitung als auch im Glas daneben.
Hier findst Du den Beitrag zu diesem früheren Experiment.
Dieser erste Vergleich ist nur der Anfang. In den kommenden Monaten werde ich mit weiteren natürlichen Mineralwässern und verschiedenen Kaffeeherkünften experimentieren. Mein Ziel ist es, den Einfluss der Mineralisierung des Wassers auf den Charakter eines Kaffees noch besser zu verstehen. Alle Ergebnisse, Verkostungsnotizen und Erkenntnisse werde ich regelmäßig hier im Blog sowie auf meinen Social-Media-Kanälen teilen.
Wenn Du das Thema genauso spannend findest wie ich, folge mir gerne auf Social Media oder abonniere den SOMMCADEMY-Newsletter. So verpasst Du keine neuen Tests, Wasser- und Kaffeevergleiche sowie spannende Einblicke in die Welt des natürlichen Mineralwassers.
Und wenn Du den Test zu Hause selbst ausprobieren möchtest, kannst Du die beiden Mineralwässer über den Onlineshop der SOMMCADEMY beziehen.
In diesem Sinne: Drink water, #stayhydrated
Beste Grüße
Timo Bausch
Zertifizierter Wassersommelier
Über die SOMMCADEMY
Wasser ist mehr als nur ein Grundbedürfnis. Es steht für Geschmack, Gesundheit und Erlebnis. Genau hier entsteht ein neues Bewusstsein: Achtsam trinken, Unterschiede erkennen und Qualität wirklich verstehen. Als zertifizierter Wassersommelier habe ich die SOMMCADEMY gegründet, um die Vielfalt und die Besonderheiten von Mineralwasser mit der Welt zu teilen. Mit der SOMMCADEMY kannst Du Wasser auf eine völlig neue Art kennenlernen: Als sensorisches Erlebnis und Wissensmoment, der deine Veranstaltung zu etwas Besonderem macht / Timo Bausch Gründer der SOMMCADEMY
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